Dr. med. Gregor Dornschneider

Medizin kam erst spät in mein Leben. Noch ein halbes Jahr vor dem Abitur standen Architektur, Lehramt, Jura und sogar die Theologie noch im Vordergrund.  Starken Einfluß auf die Entscheidung für die Medizin hatte ein Bruder meines Vaters, der mir als langjährig erfahrener, niedergelassener Hausarzt mit seiner Art der Medizin-Ausübung und seinem Umgang mit den Patienten sehr imponierte. Meine damalige Berufwahl hat mich bis zum heutigen Tag nie gereut.

Dr. Gregor Dornschneider

Allerdings war es bis dahin zunächst noch ein längerer Weg. Der Numerus clausus (NC) für Medizin zur damaligen Zeit und mein Abitur-Notendurchschnitt (AND), mit dem ich persönlich sehr zufrieden war, fochten eine harte Klinge – 5 Jahre lang. Dann hatte der Numerus clausus verloren und ich den langersehnten und angestrebten Medizin-Studienplatz. Nicht unerheblich war in diesen Jahren die unerschütterliche Unterstützung meiner Eltern, ohne die ich diese Zeit vielleicht nicht durchgehalten hätte.

Die Zeit nach dem Abitur verbrachte ich zunächst  im Sanitätskorps der Bundeswehr und schloss diesen Abschnitt mit einer Krankenpflegeausbildung ab. Ins Manöver zog unsere Abteilung  damals weniger mit dem Gewehr als mehr mit Spritzen. Dafür nahm man uns in dem Verein nicht ganz ernst, was wir jedoch gut wegstecken konnten, da es sich jedes Mal schlagartig änderte, wenn nach einem Geländemarsch viele Fersen höchst schmerzhafte Blasen aufwiesen…..

Die weitere Wartezeit füllte ich mit der Ausbildung zum Biologisch-Techn. Assistenten, die mir schon mal einen guten Einblick in die praktische Anatomie verschaffte, zwar nur von toten Fischen, Fröschen und Kleinstlebewesen - aber immerhin.

Danach blieb noch ein wenig Zeit bis zum Finale zwischen NC und AND. In dieser letzten Periode vor dem Medizinstudium arbeitete ich in der Krankenpflege auf einer chirurgischen Station eines städtischen Krankenhauses. In dieser Zeit lernte ich durch die Menschen mit denen ich zusammenarbeiten konnte, Ärzte, Schwestern und Pfleger, was es heißt, einen kranken Menschen als Ganzes wahrzunehmen und zu behandeln. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise, die ich nie vergessen konnte, die ich später im Studium und auch lange Zeit danach noch in meiner beruflichen Laufbahn aber leider kaum mehr erlebte.

Seit 20 Jahren bin ich nun niedergelassener Chirurg, überzeugter Schulmediziner  - aber ebenso überzeugt von der Tatsache, dass wir Mediziner Gefahr laufen, mit unserer heutigen Einstellung unserem Beruf gegenüber, das Arzt-Sein zu verlieren und immer mehr zum spezialisierten Ingenieur am Menschen zu werden.

Indem wir den Patienten als Menschen mehr und mehr aus den Augen verlieren, entfernen wir uns zunehmend aus dem realen Leben und agieren nur noch wie in einem Elfenbeinturm ohne Fenster.

Dort werden Studien durchgeführt, in denen der Zeitraum des „Überlebens“ einer Erkrankung ein  wichtiges Zielkriterium ist. Doch die Frage nach dem  „Wie überlebt und v.a. wie er-lebt der Mensch/Patient“ diese Zeit interessiert nur ganz am Rande, wenn überhaupt.

Die Frage nach dem „Wie funktioniert eine Erkrankung“ verfolgen wir bis ins kleinste genetische Detail – doch die Frage nach dem „Warum ist die Erkrankung überhaupt aufgetreten“ scheint kaum zu interessieren.

Wie anders sind sonst Vorsorge-Bemühungen zu verstehen, die nur nachschauen, ob ein Tumor schon da ist, ansonsten aber den Patienten/Menschen alleine lassen in einer trügerischen Sicherheit und mit der Aufforderung, in ein paar Jahren zum erneuten Check wieder anzutreten. Hin und wieder werden sogar ärztlicherseits Überlegungen laut, dieses „Wiederantreten“ verpflichtend zu machen, um die Vorsorge zu intensivieren.

In diesem Elfenbeinturm müssen wir gleichzeitig zur Kenntnis nehmen, dass die chronischen Erkrankungen stetig ansteigen. Und es ist eine Frage der Zeit, bis wir Mediziner unausweichlich anerkennen müssen, dass wir mit unseren symptomatischen Behandlungs-Möglichkeiten vor der Wand stehen und von Heilung meilenweit entfernt sind.

Wann fangen wir an, die Mauern unseres Elfenbeinturms aufzureißen, Fenster in die Wände einzubauen und Antworten auf unsere Fragen auch außerhalb des Turms zu suchen?

Auf der anderen Seite müssen die Menschen/Patienten lernen, dass sie selbst für sich und ihren Körper verantwortlich sind – nicht die Ärzte nicht die Apotheken, nicht die Krankenkassen, nicht die Pharmaunternehmen. Nein, jeder ist zuallererst selbst für seine Gesundheit verantwortlich.  Alle Vorgenannten sind ihm dabei nur dienstbare Geister mit der ihrem Tun zugehörigen ethischen Verpflichtung: „primum nil nocere“ (vor allem nicht schaden).

Und damit schließt sich der Kreis zu meinen eingangs genannten Berufswünschen:

Als Arzt bin ich Anwalt des Menschen in Sachen Gesundheit. Meine Aufgabe ist es, das für ihn jeweils beste Ergebnis in Sachen Gesundheit herauszuarbeiten.

Ich kann Lehrer sein und ihn unterrichten, seine Gesundheit zu bewahren und zu pflegen, dabei muss man gelegentlich auch mal wie ein Pastor „predigen“.

Mit dem Architekt sein tu ich mich etwas schwerer. Aber vielleicht lässt sich, wenn genügend Mediziner sich aufmachen und gelegentlich mal den "Elfenbeinturm" verlassen, so etwas wie eine gesunde Gesellschaft "aufbauen".

Dr. med. Gregor DornschneiderDann könnte es so werden wie die Natur es in der bisherigen Evolution schon seit etwa 3,5 Milliarden Jahren vormacht:   das Gute wird durch das Bessere abgelöst.

Und das kann -sogar ganz ohne Studien- nicht so schlecht gelaufen sein, wenn man sich das aktuelle Wunderwerk der Natur, den „Menschen“ so ansieht.

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